Der Hansel-Mieth-Preis
Journalistenpreis für engagierte Bild- und Textreportagen
Die Sponsoren des Hansel-Mieth-Preises 2012
Zeitenspiegel Reportagen widmet diesen Preis ihrem 1998 verstorbenen Mitglied, der Fotografin Johanna “Hansel” Mieth aus Santa Rosa/Kalifornien. Johanna Mieth, von Kindesbeinen an Hansel gerufen, wurde 1909 in Oppelsbohm (Württemberg) geboren und wuchs in pietistisch engen Verhältnissen auf. Mit fünfzehn Jahren riss sie von zu Hause aus und emigrierte mit ihrem Jugendfreund Otto Hagel nach Amerika. Dort schlug sich das Paar zunächst als Tagelöhner und Erntehelfer durch. Aus dieser Zeit und der Perspektive der “Underdogs” stammen erste Aufnahmen von Hansel Mieth und Otto Hagel, die sie mit einfachen Kameras, später mit einer gebrauchten Leica machten: Bilder vom Alltag der kleinen Leute in Amerika, von Arbeitslosen, Baumwollarbeitern, Indianern. “Um ein guter Fotograf zu sein”, so das Credo von Hansel Mieth, “musst du fühlen, was Menschen fühlen, wenn sie ganz unten sind.” Hansel und Otto, Weggefährten berühmter Fotografen wie Robert Capa und Eugene W. Smith, trugen damit zu einer neuen, engagierten Reportagefotografie bei: Sie forderten Respekt statt Almosen für die Armen, nahmen Partei, ohne das Elend zu romantisieren. Denn, so Hansel Mieth, “Mitleid ist das erste Unrecht.” Von 1937 an arbeitete die eigenwillige Schwäbin als Fotoreporterin beim neu gegründeten Magazin LIFE.
Der Hansel-Mieth-Preis will in ihrem Sinne engagierte Text- und Bildreportagen in deutschsprachigen Print-Medien auszeichnen. Er wird für den kompletten Beitrag (Bild und Text) vergeben und ist mit 6.000 Euro dotiert.
Was wird ausgezeichnet?
Prämiert wird die Arbeit eines Autoren-Fotografen-Teams aus dem jeweiligen Vorjahr, veröffentlicht oder unveröffentlicht, schwarz-weiß oder Farbe. Die zehn besten Arbeiten werden in einer Ausstellung präsentiert.
Die Jury entschied über die Auszeichnungen am 9. März 2012 in Mals/Südtirol. Preis und Stipendium werden am 3. Mai 2012 in Fellbach bei Stuttgart übergeben.
Der Hansel-Mieth-Preis 2012 geht an die Autorin Cornelia Fuchs und den Autor Uli Rauss sowie an das Fotografenteam Monika Fischer und Mathias Braschler. Die Reporter des Magazins “stern” bekommen die renommierte Auszeichnung für ihren Beitrag „Guantánamo“. Darin werden Schicksale ehemaliger Insassen des US-Gefangenenlagers erzählt. Der Preis ist mit 6.000 Euro dotiert.
Im Rahmen des Hansel-Mieth-Preises, bei dem Text und Fotos engagierter Reportagen gleichermaßen bewertet werden, wurden zudem ausgezeichnet:
„Das Blut der Revolution“ (Süddeutsche Zeitung Magazin) von Michael Obert und Moises Saman
„Das muss alles weg“ (Chrismon) von Nils Husmann und Jonas Ludwig Walter
„Was von Malik übrig war“ (Der Spiegel)
„Der lange Weg zur Gerechtigkeit“ (Zeit Magazin) von Carolin Emcke und Sebastian Bolesch
„Das Vorspiel“ (Die Zeit) von Carolin Pirich und Tobias Kruse
„Ein ganzes Leben“ (Stern) von Rüdiger Barth und Nele Martensen
„Die Strandburg“ (Mare) von Maik Brandenburg und Dmitrij Leltschuk
„Die sibirische Schönheit“ (Geo) von Diana Laarz und Anastasia Taylor-Lind
„Gefangen in Freiheit“ (Der Spiegel) von Nicola Abé und Ilja C. Hendel
Die Reportagen werden in einem Buch veröffentlicht. In diesem Jahr wurden für den Preis und das Stipendium 111 bzw. 45 Bewerbungen eingereicht.
Die Jury 2012 bestand aus:
Wolfgang Behnken, Art Director (Vorsitzender der Jury)
Ingrid Kolb, Autorin
Ingrid Eißele, Zeitenspiegel Reportagen
Christiane Gehner, Spiegel
Christian Jungblut, Reporter
Thomas Kern, Fotograf
Margot Klingsporn, Agentur Focus
Michael Streck, Stern-Autor
Rüdiger Schrader, Leiter der Focus-Bildredaktion
Alexander Smoltczyk, Spiegel-Reporter
Anton Hunger, Publizist